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Internet als Ort?

November 22, 2013 — 2 Kommentare

Internet by transcam

Aktuell werte ich die Ergebnisse der Fokusgruppeninterviews aus, die wir im Projekt SESAM erhoben haben. Unter anderem wollten wir wissen, welches Verständnis von Medien und Sozialen Medien (u.a. eben auch dem Internet) verschiedenen Altersgruppen zugrunde liegt. Dabei ist mir etwas aufgefallen. Niemand weiß so richtig was es mit diesem ‚Internet‘ auf sich hat. Es ist irgendwie eine Vernetzung, die global ist und durch viele verschiedene Computer realisiert wird. Oft wird es synonym zum World Wide Web verwendet, ist aber auch irgendwie mehr. Die Befragten sind sich nicht einig, ob es ein Medium, eine Plattform oder gar etwas ganz anderes ist – jedenfalls ’neu‘ ist es, da sind sie sich einig. Und ich stimme mit dieser Verwirrung überein.

Wenn wir an Internet denken, verstehen wir darunter mehr als nur vernetzte Computer. Wir haben eine Qualität im Kopf, die mehr an einen Ort als an ein Medium erinnert. Das hieße das Verständnis von Internet liegt näher an Kino oder Theater als an Fernseher oder Radio. Das Internet wäre dann eine Art (virtueller) Ort an den man sich begibt, um bestimmte Aktivitäten zu tun oder Informationen zu erfahren. Man könnte auch, wie  Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut, von „vernetzen“ oder „persönlichen“ Öffentlichkeiten sprechen. Das allerdings beinhaltet m.E. nur einen Teil des Verständnisses von dem was Internet darstellt, denn manchmal ‚fühlen‘ wir uns dort auch eher privat und allein – was durch die Empörung bei verschiedenen Verletzungen von vermeintlicher Privatsphäre (dazu in einem anderen Artikel mehr) sichtbar wird.

Warum also meine ich es sei mehr ein Ort als etwas anderes? Zum Beispiel weisen viele sprachliche Wendungen darauf hin, dass wir das Internet als ‚virtuellen‘ Ort empfinden und wählen daher auch Formulierungen, die eigentlich örtlichen Beschreibungen ähneln. Dabei handelt es sich um eine willkürliche Auswahl, die keinesfalls Vollständigkeit beansprucht.

  • Man „surft„, „kauft“, „wirbt“ im Internet –  Metaphern, die auf Tätigkeiten verweisen, die sonst nur mit Orten verbunden sind. („im Internet surfen, werben, einkaufen“, Duden)
  • „Ich bin im Netz“
  • „Ich bin auf Google“
  • „Informationen ins Internet stellen“ (Duden)
  • „etwas im Internet suchen, finden, nachlesen“ (Duden)
  • sich im Netz „treffen„, „tummeln„, „sehen“ oder „verabreden

Ist das Internet also für uns zu einem (virtuellen) Ort geworden, der einen Treffpunkt öffentlichen Lebens darstellt, so wie früher vielleicht das Theater, das Kino oder einfach der Marktplatz? Dabei ist dieser Ort irgendwie mehr als eine rein virtuelle Variante der Wirklichkeit (siehe z.B. virtual Reality), sondern vielmehr eine Teil dieser. Nehmen wir diese Welt als Teil unserer Realität wahr mit ernsthaften Konsequenzen?

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