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Nachdem nun die #followerpower zusammen mit dem Elbepegel einen gefühlten Hochpunkt erreicht, möchte ich  eine Zwischenbilanz ziehen. Dies erscheint mir auch hinsichtlich des #sooc13 ein passendes praktisches Beispiel dafür zu sein, wie soziale Medien und Informationsmanagement in Handlungen münden können und welche Vor- bzw. Nachteile dadurch entstehen.

Was ist passiert?

Seit dem 31.05.2013, in etwa, ist der Wasserstand der Elbe von 270 cm auf 874 cm (06.06.2013, 7:45 Uhr) angestiegen. Damit befinden wir uns seit 161 cm in Alarmstufe 4 (von insgesamt 4). Die  Auswirkungen des Hochwassers machen sich besonders an den Randregionen entlang der Elbe bemerkbar. Besonders betroffen sind dabei u.a. Pillnitz, Heidenau, Laubegast, Tolkewitz, Altmickten und Teile von Cossebaude aber auch die Altstadt und Teile der Neustadt. Einige bewohnte Gegenden, wie Laubegast oder Gohlis, mussten bereits evakuiert werden. Zudem sorgt der gestiegene Grundwasserpegel in elbnahen Gegenden für gewässerte Keller.

In der Not helfen soziale Netzwerke

Neben diesen größeren Problemzonen gibt es viele Stellen in der Stadt an denen Privathäuser oder öffentliche und gewerbliche Immobilien vor den Ausläufern des Hochwassers geschützt werden müssen. Auch für diese wurden Versorgungspunkte für Sand und Sack eingerichtet. Feuerwehr, Polizei und Militär sind zwar auch vor Ort, aber eben nur in den stark bedrohten Regionen oder wenn Gastanks die Elbe hinunter treiben. Da fallen kleinere Wehwehchen, wie der Schillergarten am Blauen Wunder oder nur rudimentär betroffene Häuser eben nicht hinein. Froh ist hier wer Freunde, Bekannte oder Nachbarn hat, die mithelfen zu befüllen, transportieren oder stapeln. Auch Verpflegung und vor allem Kaffee sind bei der Unterstützung der fleißigen Helfer nicht zu unterschätzen. Die Dresdner gelten ja – so durfte ich mir seit meinem Herzug des öfteren erklären lassen – als tatkräftiges Völkchen, das gern zur Stelle ist, wenn es benötigt wird. So war es beim letzten Mal im Jahr 2002, so ist es auch diesmal, erzählte mir gestern einer der städtischen Fahrer für Sandsäcke. Auf die Frage, ob er das Gefühl habe, dass dieses Mal mehr Leute helfen als beim letzten Mal, antwortet er: ‚Nein, eigentlich nicht. Aber es ist schön‘, erzählt er weiter, ‚dass dieses Mal so viele junge Menschen dabei sind. Die waren ja beim letzten Hochwasser noch Knirpse.‘ Mein erster Gedanke dazu: Das könnte vielleicht an den vielen sozialen Medien liegen, die sich 2013 damit beschäftigen. Nach einem Gespräch mit einem weiteren ‚2002-erfahrenen‘-Helfer, weiß ich, dass es aktuell aber auch mehr Zeit gab zur Vorbereitung gab: ‚2002 ging das ja alles viel schneller, da hatten wir kaum drei Tage Zeit. Diesmal ist die Situation viel entspannter‘, sagt er.

Welche Rolle spielen hier eigentlich soziale Medien?

Neben diversen Hashtags (#FluDDHilfe, #Hochwasser, #Dresden) entwickelte sich gestern auch ein spezieller Twitterkanal (@FluDDHilfe), über den ständig Hilfsgesuche, -angebote oder neue Entwicklungen zur Hochwasserlage verbreitet werden. So wurden gestern quasi im Sekundentakt neue Meldungen über Twitter publiziert.

Unter derselben Adresse (fluddhilfe.de) gibt es seit gestern auch ein Webseitenangebot für diejenigen, die mit Twitter & Co. nicht so bewandert sind. Frei nach dem selbstgewählten Motto „Wir vernetzen Helfer und Hilfesuchende“, kann man hier Hilfsangebote und -gesuche einstellen bzw. sich diese ansehen.

Mehrere Facebook-Konten wurden eingerichtet, um ebenfalls für Austausch von Meinungen und Hilfe zu sorgen. Aktuell (06.06.2013, 7:38 Uhr) zählen die Konten Fluthilfe Dresden 40.962 „Gefällt mir“-Angaben und Hochwasser Dresden 25.941 „Gefällt mir“-Angaben. Dass hier die Hilfskoordination funktioniert, kann man z.B. bei Florian Thalmann im Berliner Kurier nachlesen.

Diverse regionale Medien (z.B. Sächsische Zeitung, MDR) starteten einen Live-Ticker mit den neuesten Meldungen und wichtigen Helferinformationen.

Private Webseiten mit Übersichten und Hintergrundinformationen wurden eingerichtet bzw. befüllt, wie z.B. diejenige von Daphne & Doris.Und auch Parteien und regionale Angebote, wie z.B. die LVZ beteiligen sich, z.B. via Blog.

Es wurde eine Google-Map mit den wichtigsten Brennpunkten, Evakuierungsgebieten und Überflutungsausmaßen erstellt, die von verschiedenen Privatpersonen ständig auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Natürlich will ich die offiziellen Koordinierungsstellen (z.B. Feuerwehr und Stadt) für freiwillige Helfer nicht vergessen und auch die offizielle Notfallseite der Stadt Dresden wird auf dem aktuellen Stand gehalten.

Und was bringt das nun?

Ich habe sicher nicht alle Angebote, die in der Kürze der Zeit entstanden sind, entdeckt. Nichtsdestotrotz kann man sich ein grobes Bild über die Ausmaße machen. Nachdem ich mich gestern unter die Helfer gemischt habe, habe ich auch einige Beobachtungen gemacht, die ich im Folgenden darstellen werde.

Zunächst die positiven Aspekte:

Wahrscheinlich auch durch soziale Medien konnten sehr vieler Helfer in kurzer Zeit mobilisiert werden.

Besonders die Nutzergruppen dieser Medien (also junge Leute) sind vor Ort anzutreffen. Das könnte man als Hinweis nehmen, dass die Aufmerksamkeit für die Situation und ein Hilfebedürfnis durchaus auch über soziale Medien erreicht wurde.

Durch die vielen verschiedenen Informationen könnte es sein, dass sowohl Helfer als auch Hilfesuchende besser über die aktuelle Lage aufgeklärt sind. Ich jedenfalls empfinde das so für mich.

Offensichtlich lassen sich schnelle, spontane Aktionen deutlich leichter und auch erfolgreicher organisieren. (Wie das Beispiel des Roland-Romain Gymnasiums an der Weintraubenstrasse zeigt. Besonders dieser Umstand ist vorteilhaft, da sich die Situationen tatsächlich sehr schnell ändern.

Es lässt sich – ähnlich wie bei den MOOCs – eine ‚freiwillige‘ Rollenverteilung erkennen. Einige Helfer haben sich die Koordination der Hilfsangebote vorgenommen (siehe z.B. fluddhilfe), andere packen mit Händen, Schaufeln, Lastern etc. mit an und wieder andere haben sich auf die Versorgung mit Essen und Getränken spezialisiert.

Nun zu einigen kritischen Dingen:

Die erfolgreiche Mobilisation vieler Helfer hat auch seine Schattenseiten. Offensichtlich ging es dabei einigen Willigen ebenso wie mir. So zitiert Tobias Maier in seinem Beitrag auf netzpiloten.de einen Helfer, der auf dem Blog „socialmediaevolution“ berichtet: „Wir sind gestern Abend 4 Stunden Twitter- und Facebookmeldungen quer durch Dresden hinterher gefahren, nur um zu sehen, dass 3 mal niemand mehr gebraucht wurde (alles war erledigt bzw. waren kein Sand oder keine Sandsäcke mehr da), einmal bereits mehr als genug Leute da waren und einmal nach einem entladenen Container mit Sandsäcken Schluss war.“

Die Masse an Informationen kann auch zu Ratlosigkeit führen. Ein klares Ziel gibt es da nicht mehr. Die Wahl des Einsatzortes muss nach anderen Kriterien (als der Kenntnisnahme eines Hilfegesuchs) erfolgen. Die Frage hier wäre, nach welchen Kriterien dann ausgewählt wird (z.B. Nähe, Lieblingsort, Zufall …?).

Der entstehende Eindruck einer starken Notsituation, täuscht teilweise. So unterscheiden sich Tweets von Privatpersonen, die einfach etwas Hilfe benötigen (z.B. um 50 Sandsäcke zu füllen) sprachlich kaum von denen, die deutlich stärker betroffen sind.

Private Kanäle sind teilweise nicht von öffentlichen zu unterscheiden, wie das Beispiel des Twitterkontos @stadt_dresden zeigt. Hier handelt es sich nämlich nicht um einen offiziellen Kanal.

Falschmeldungen können nicht immer verifiziert werden, da sie über dieselben Kanäle laufen, wie alle anderen Meldungen auch. Ein schönes Beispiel stellt die nicht vorhandene Sandfüllstation dar, die sogar im SZ-Live Ticker erschien.

Die Notsituation wird – durch die Nachrichten im Sekundentakt sowie deren Fülle – zu einem gewissen Teil höher dargestellt, als sie tatsächlich ist.

Die Organisation und Koordinierung von Hilfe, könnte – weil sie nicht mehr über zentrale Anlaufpunkte geschieht – durch die sehr starke Eingeninitiative erschwert werden. Zu viele Helfer an einem Platz, bedeutet auch dass eben Leute herumstehen. Was dann zu Behinderungen oder eben ‚Gaffen‘ aber auch zu Frustration seitens der Helfer führen kann.

 

Zuletzt aktualisiert und teilweise ergänzt am 28.11.2013.

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